Vereinigung Cockpit – Vortrag am GSG


Vereinigung-Cockpit-Vortrag-2015

Vorsicht, Lobbyist!

 

Am 16.1.2015 referierte Eckhard König als Vertreter der Vereinigung Cockpit zum Thema Interessensverbände und Lobbyismus am Graf-Stauffenberg-Gymnasium. Die Veranstaltung zu einem Themenschwerpunkt des Zentralabiturs im Fach Politik-Wirtschaft kommentiert Thorben Meyer.

 

Streiks ohne Ende, gierige Piloten und eine Pilotenvertretung, die nur in der Kritik steht. Das Bild von der Vereinigung Cockpit (VC) ist nicht gerade das beste in Deutschland. Aber oft wird die VC nur falsch verstanden. Dies erläuterte Herr König am 16.1.2015 am Graf-Stauffenberg-Gymnasium Schülern des 11. und 12. Jahrgangs. Herr König, von Beruf Elektroingenieur, arbeitet in der Geschäftsstelle der Vereinigung Cockpit. In erster Linie widersprüchlich, wenn man vom Slogan „Von Piloten, für Piloten“ ausgeht.

Aber wenn man genauer hinsieht, gibt es viele Mitglieder in der Vereinigung Cockpit (ca. 9500), die nicht von Beruf Pilot sind. Es gibt mehrere Abteilungen in der Geschäftsstelle, wie die Rechtsabteilung, in der viele Anwälte arbeiten, oder auch verschiedene andere technische Abteilungen, in denen auch Herr König angesiedelt ist. Insgesamt hat die Geschäftsstelle ca. 225 Mitarbeiter.

Gegründet wurde die Vereinigung im Jahr 1969 von Hans-Dieter Gades. Damals sollte die VC der Interessenvertretung dienen. Ab 2000 ist sie dann auch als Tarifpartner tätig geworden und vertritt seitdem Piloten vieler Airlines, unter anderem auch der Lufthansa, die öfter schon in der Presse durch Streiks aufgefallen ist.

Vorgenommen hat sich die Pilotenvereinigung Cockpit vor allem die Flugsicherheit, die Gestaltung der Luftfahrt von morgen und die Vertretung der Interessen aller Piloten. Die Geschäftsstelle ist der einzige Zweig der VC, in dem hauptamtliche Angestellte arbeiten, wie Herr König. Die restlichen Zweige bestehen aus dem Beirat, dem Kontrollgremium des Vorstands, der Tarifarbeit und Berufsarbeit.

Die Vereinigung Cockpit beschränkt sich natürlich nicht nur auf Deutschland, sondern ist auch implementiert in die ECA sowie die IFALPA, die weltweit agiert. Was viele Menschen vergessen, ist dass die Arbeit in der VC, die Geschäftsstelle ausgenommen, vollkommen freiwillig ist und sich aus Bruttogehältern (1%) finanziert. Die Piloten, die sich für die Interessen anderer Piloten einsetzen, machen dies in ihrer Freizeit.

Oft ist die Rede von unseriösem Lobbyismus, worauf Herr König auch einging. Zum Erstaunen mancher sprach er ganz offen über dieses Thema und räumte auch ein, dass es diese Art des Lobbyismus durchaus gebe. Aber in nicht so großem Umfang, wie es oft vermutet werde. Die Vereinigung Cockpit habe mit dieser Art des Lobbyismus aber nichts am Hut, versicherte Herr König. Dafür hätte man auch gar nicht die finanziellen Mittel. Als ein Beispiel für unseriöse Lobbyarbeit nannte er das „Meldegesetz“ während des EM-Spiels Deutschland gegen Italien 2012. Der seriöse Lobbyismus sei aber etwas vollkommen anderes. Er diene dazu, Politiker zu informieren, da sie meist nicht das nötige Fachwissen wie zum Beispiel für die Luftfahrt hätten, was auch verständlich sei.

Schließlich ging Herr König auf das Thema ein, welches auch aufgrund des letzten Jahres wohl das brisanteste ist: Die Tarifpolitik. Hierbei vertritt die Vereinigung Cockpit die Piloten im Bereich der Sozialleistungen, bei schlechten Löhnen und auch dabei, wie lange ein Pilot fliegen kann. Dieses Beispiel beleuchtete Herr König genauer. Es sei bemerkenswert, dass ein Pilot länger als zehn Stunden fliegen müsse, wobei beispielsweise ein Busfahrer alle vier Stunden gewechselt werde.

Auch auf die vielen Streiks wurde Herr König am Ende seiner Präsentation hingewiesen. Hier betonte er, dass die Piloten in den letzten drei Jahren bei der Lufthansa keine Lohnerhöhung bekommen hätten und deswegen aktuell zehn Prozent mehr Gehalt forderten. Zudem erläuterte er, dass es kaum möglich sei, heutzutage Kapitän mit der höchsten Gehaltsstufe zu werden, da dies knapp 40 Jahre dauere.

Zum Schluss seiner Präsentation gab Herr König den Schülerinnen und Schülern noch einen Rat mit: „Glauben Sie nicht alles was Sie sehen, hören oder lesen.“ Dies sollten sich heutzutage mehrere zu Herzen nehmen.