„Okkultismus, Aberglaube, unerklärliche Phänomene“


Blockseminar der Philosophie-AG vom 07. bis 09.01.2011 in Melle

„Die Tatsache, dass ein Phänomen auch tricktechnisch nachgemacht werden kann, beweist nicht, dass es dieses Phänomen nicht auch in ‚echt‘ gibt.“ Aber ebenso gilt: „Die Tatsache, dass auch ein Trickexperte ein Phänomen nicht erklären kann, beweist nicht die ‚Echtheit‘ dieses Phänomens“ (Wolfgang Hund). Im Spannungsfeld dieser beiden Aussagen war das diesjährige Blockseminar der Philosophie-AG zu paranormalen Phänomenen angesiedelt. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 10-13 beschäftigten sich dabei am ersten Wochenende nach den Weihnachtsferien bei nach langer Kälteperiode endlich ansteigenden Temperaturen intensiv und mit einer philosophisch-skeptischen Grundhaltung mit einer Reihe von Phänomenen, die dem okkulten oder paranormalen Bereich zuzuordnen sind.

Neben Reinkarnation, Ufologie, und anderem wurde besonders der Aspekt Hellsehen und Wahrsagen (PSI, Telepathie, Pendeln, Muskellesen etc.) einer kritischen Sichtung unterzogen. Mögliche Manipulationen durch ein angebliches Medium wurden in praktischen Experimenten eingeübt, präsentiert und ausführlich diskutiert. Mögliche Erklärungsmodelle (z.B. Spiritismus, Animismus) für das Zutreffen hellseherischer Aussagen kamen ebenso zur Sprache wie die wirksamen psychologischen Effekte auf Seiten des Klienten (z.B. Bandwagon-Effekt, …). Wie unverzichtbar und effektiv eine gute Beobachtungsgabe für einen Wahrsager, der ohne Kontakte zur Geisterwelt dennoch eindrucksvoll zutreffende Aussagen über seine Klienten tätigen kann, wurde im Anschluss bei der Vorbereitung entsprechender Rollenspiele deutlich. Als spannend erweisen sich Überlegungen zur Zeitreiseproblematik und die Frage, ob das Naturgeschehen und damit auch die Entscheidungen des Menschen restlos determiniert sind, oder ob der Mensch einen nicht vorherbestimmten freien Willen besitzt, denn vor dem Hintergrund eines harten Determinismus oder der Möglichkeit von Zeitreisen wären „hellseherische“ Blicke in die Vergangenheit oder Zukunft zumindest prinzipiell möglich. Das Erklärungsmodell Geisterglaube wurde in den Abendstunden anhand eines Speilfilms noch einmal ausführlich diskutiert und einer kritischen Prüfung unterzogen.

Auch Astrologie und mögliche Ansätze einer argumentativen Auseinandersetzung (wie etwa die damit verbundenen Widersprüche zum vorherrschenden physikalischen Weltbild) wurden ausführlich thematisiert, so dass insgesamt eine große Bandbreite an Phänomenen in den Blick genommen werden konnte.